Die Oslo-Methode und das KISS-Prinzip

In den vergangenen zwei Jahren tauchte eine vermeintlich neue Rettungsmethode in den verschiedensten Ausbildungsveranstaltungen inflationär auf. Von Einzelveranstaltungen, über die Rescue Days bis hin zur Fachtagung „Technische Rettung“ der Berliner Feuerwehr wird die sogenannte „Oslo-Methode“ als Möglichkeit der schnellen Entklemmung von Patienten angepriesen und gezeigt. Prompt melden auch die ersten Feuerwehren eine Heilsbringung in scheinbar aussichtslosen Einsatzsituationen und der Magirus-Award wird für die Anwendung diese „innovativen“ Methodik verliehen.

Die Oslo-Methode wird hierbei häufig als Plan B oder C propagiert, ungeachtet der Tatsache, dass es sich beim Einsatz der Seilwinde einzig, neben Spreizer und Rettungszylinder, um ein weiteres Werkzeug handelt, dass im Rahmen eines Gesamtplans Beübt und eingesetzt werden muss.

Für die Auswahl der richtigen Einsatzstrategie und der Auswahl des dazu passenden Werkzeuges sind grundsätzlich eine Reihe von Rahmenbedingungen zu berücksichtigen. Abbildung 1 zeigt hierbei den Entscheidungsbaum für die Auswahl der Oslo-Methode. Der Übersicht-halber wurde nur der direkte (und einzige) Entscheidungsweg zum Einsatz der Seilwinde abgebildet.

Oslo-Methode

Insgesamt ergeben sich auf Basis der sieben Rahmenbedingungen 862 Entscheidungspfade. Einzig der dargestellte Pfad lässt eine mögliche Anwendung der Oslo-Methode zu. Grundsätzlich stehen jedoch selbst in diesem Fall Spreizer und Rettungszylinder als Werkzeug zur Verfügung. Alle anderen Entscheidungsvarianten führen zu Spreizer und Rettungszylinder als Mittel der Wahl, da der Windeneinsatz hier nicht praktikabel ist.

In Anbetracht dessen stellt sich die Frage, ob die notwendige Ausbildung im Verhältnis zu den Anwendungsmöglichkeiten steht. Schon heute klagen Feuerwehren über ein zu breites und immer ausbildungsintensiveres Aufgabenspektrum. Selbstverständlich kann man sich in einer Vielzahl von Möglichkeiten und Werkzeugen verlieren (ungeachtet einer Diskussion über die Methoden an sich), nur müssen diese handhabbar bleiben und auch beherrscht werden. Ausbildungszeit ist und wird immer begrenzt bleiben, In diesem Sinne wäre es ratsam sich auf die Ausbildung von universellen Werkzeugen, die immer einsetzbar sind, zu fokussieren (eben Spreizer und Zylinder) und diese dafür sicher und richtig zu beherrschen. KISS eben.